Akkretion

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Coverdesign: Marie Graßhoff

Erscheinungsdatum: 30.03.2020

Das Printexemplar ist beispielsweise hier erhältlich (aber auch in anderen Online-Shops des Buchhandels, ISBN 9783750461123 )

Das Ebook ist exklusiv auf Amazon für Kindle erhältlich

Klappentext:

Die Erde stirbt und für die Menschen ist es an der Zeit, sich auf eine verzweifelte Reise zu den Sternen zu begeben. Für die Besatzung von zwei Archen gibt es ein böses Erwachen. Obwohl sie laut Navigation im Zielsystem angekommen sind, ist nichts so, wie es scheint. Dennoch beginnen die Siedler mit dem Bau einer Kolonie – bis der Kontakt zu einem der Schiffe abbricht und ein düsteres Phänomen das Firmament spaltet. Doch die Gefahr droht nicht nur aus dem All, sondern auch durch die von der Vergangenheit zerrütteten Seelen der Menschen …

Begleite drei Generationen einer Familie:
Jaron, ein von Trauer und Angst zersetzter Mann. Erst im Alter entdeckt er seinen Kampfgeist wieder.
Noah, verfolgt von der Ablehnung seines Vaters. Er versucht das Beste für die Siedlung zu tun und trotzt dabei jeglichen Gefahren.
Juna, ein Sonnenschein in der kalten Welt. Sie wird gezwungen, diese zu verlassen und Jarons Düsternis zu erhellen.

Bonusmaterial:
Meine Schreibmusik (Spotify)
Moodboard auf Pinterest
Junas Theme
Sounds of Sirona

Leseprobe:
Nach Fassung ringend starrte Jaron auf die Monitore, die vor sich hin flackerten. Das Rauschen erinnerte ihn an Gelächter. Hämisches Gelächter. Es fehlte nur noch, dass jemand auftauchte und mit dem Finger auf ihn zeigte. Seine Hände ballten sich zu Fäusten, im Bestreben, die aufkeimende Übelkeit zu besiegen.
Ein Schluchzen durchbrach die Stille und Jaron erkannte aus den Augenwinkeln, wie sich Lindseys Körper verkrampfte. Er konnte ihre Reaktion verdammt gut nachvollziehen.
Es handelte sich um eine Reise ohne Wiederkehr. Das war jedem bewusst. Alle hatten sich an die Hoffnung auf einen Neustart in einem anderen Sonnensystem geklammert. Allerdings nicht in diesem.
Das hier war nicht richtig. Ein furchtbarer Fehler lag vor. Was war passiert? Sie flogen Jahrzehnte durch die Unendlichkeit, nur um am Ende festzustellen, dass sie die ganze Zeit in der falschen Richtung unterwegs gewesen waren?
Die Sicht verschwamm vor Jarons Augen, was ihn dazu brachte, den Blick von den Bildschirmen zu reißen. Schwankend schleppte er sich zu einem Stuhl, auf dem er sich schwerfällig niederließ. Der Kälteschlaf forderte seinen Tribut und die Steifheit der Glieder würde noch eine Weile anhalten. Er bibberte. War das auch eine Nachwirkung der Kryostase oder der Schock darüber, sich an eine falsche Stelle innerhalb der Milchstraße verirrt zu haben?
Bald verebbte Lindseys Wimmern und sie schlurfte erschöpft auf einen der Sitze zu. Die braunen Haare fielen ihr wirr ins Gesicht, sodass Jaron der Blick in ihre Augen verwehrt blieb. Ob sie dasselbe empfand, wie er? Sich dieselben Fragen stellte? Waren sie dazu verdammt, hier zu sterben? Gab es überhaupt noch einen Funken Hoffnung?
Liam Mackay fand als Erster die Stimme wieder. Der Kapitän stand in der Mitte der Brücke und sah mit eiserner Miene aus dem Observationsfenster, wo sich der Horizont langsam drehte. »Wir dürfen unsere Zuversicht nicht verlieren!«, raunte er und wandte sich zu seiner Crew um.
Lindsey sprang von ihrem Stuhl auf. »Verdammt! Was erwarten Sie? Wir sind hier gestrandet. Der Treibstoff war genau ausgerechnet. Wer weiß, ob wir hier überleben können. Wie konnte das überhaupt passieren? Sie haben die Koordinaten beim Start doch höchstpersönlich eingegeben!«
Das war eine hervorragende Frage. Die Mannschaft hatte in diesem bedeutsamen Moment um Mackay herumgestanden und mitgefiebert. Die Monitore hatten das korrekte Ziel angezeigt, daran bestand kein Zweifel. Und nur der Kapitän war befugt, die Kursdaten nachträglich zu verändern.
»Haben Sie etwa …?« Lindsey teilte offenbar Jarons Gedanken, schoss auf den Schiffsführer zu und gab ihm eine donnernde Ohrfeige. Gleichzeitig schien ihr klarzuwerden, was soeben passiert war. Sie hob die andere Hand vor den Mund und wich langsam zurück, während Mackay reglos stehenblieb. Als er sich zur Seite drehte, sah der Astrophysiker das gerötete Gesicht und wie die Kiefer aufeinander mahlten.
Mackay war bemüht, seine Gefühle unter Kontrolle zu halten und nicht zu explodieren. »Ich habe den Kurs nicht manipuliert!«, knurrte er und sah seine Crewmitglieder nacheinander beschwörend an. »Welchen Grund sollte ich dafür haben?« Schnaubend wandte er sich wieder dem Fenster zu und fuhr sich durch das Haar.
Ein leises Surren kündigte an, dass sich noch jemand in das Gespräch einmischen wollte. »Ich kann bestätigen, dass der Kapitän während der gesamten Reisezeit kein einziges Mal den Kälteschlaf verlassen hat. Genau genommen gilt das für alle Menschen an Bord, bis auf die Techniker«, meldete sich die Stimme von ARAS.
Mackay presste die Lippen aufeinander, sein Blick verdunkelte sich. »Du!«, stieß er aus. »Hast du das zu verantworten?«
Die KI blieb freundlich: »Ich verstehe nicht …«
»Hast du uns vom Kurs abgebracht?«
»Darüber habe ich keine Daten. Einige Bereiche meiner Systeme wurden nach der Ankunft zurückgesetzt. Ich kann die letzten Befehle nicht mehr nachvollziehen. Tut mir leid.«
»Ein wenig zu offensichtlich, nicht wahr?«, knurrte Mackay und schritt zu einem der Displays. »Bis die Angelegenheit geklärt ist, werde ich deine Berechtigungen einschränken.«
ARAS antwortete nicht und akzeptierte es stillschweigend.
Dafür schüttelte Lindsey fassungslos den Kopf. »Das ist doch ein Witz. Die KI tut genau das, wofür sie programmiert wurde. Wenn sie den Kurs manipuliert hat, dann weil es ihr jemand gesagt hat. Jemand mit einer hohen Sicherheitsfreigabe.«
»Das ist doch Schwachsinn«, wehrte der Kapitän ab.
Jaron grübelte, während das Wortgefecht zwischen den beiden anhielt und sich andere Crewmitglieder einmischten. Die Techniker hatten sich abwechselnd in Form von Wartungen um das Schiff, die Maschinen und Kältekapseln gekümmert. Keine Chance, dass sie in der Lage gewesen waren, sich in das Schiffssystem einzuhacken, oder? Er sprach seine Besorgnis aus, obwohl er sich innerlich gegen solche Anschuldigungen sträubte.
»Kluger Gedanke!«, lobte Mackay nach einem Moment des Schweigens. »Ich werde mit den Arbeitern reden. Vielleicht ist ihnen etwas aufgefallen.« Er straffte die Schultern und wandte sich vom Fenster ab.
Eine zittrige Stimme meldete sich neben Jaron. Er drehte den Kopf und entdeckte Niall, der unweit eines Stuhls kauerte und in eine Decke gehüllt war. Ihn hatten sie als Letztes aus der Kältekapsel geholt und er war nach wie vor dabei, aufzutauen. »Was ist mit der Themba?«, krächzte er. »Sind wir die Einzigen, die hier gelandet sind?«
Die Longevity und die Themba waren kurz hintereinander aufgebrochen, und beide mit demselben Ziel. Jaron sah mit zusammengeschobenen Augenbrauen zu Lindsey, welche sich auf eine der Anzeigen konzentrierte. Ratlos hob sie die Schultern.
Dafür meldete sich die KI: »Die Themba ist dieselbe Route geflogen. Sie sollte bald eintreffen.«
Niall lachte humorlos und zog die Decke enger um sich. »Zwei Schiffe auf falschem Kurs? Das kann doch kein Zufall mehr sein.«
Mackay wirbelte herum und warf seinem Untergebenen einen zornigen Blick zu. »Was ich zu Beginn sagte, gilt. Wir dürfen nicht die Hoffnung verlieren! Außerdem führen Beschuldigungen und Schwarzmalerei zu gar nichts. Wir müssen das Beste aus unserer Situation machen.«
Sein Kopf schwenkte zu Jaron herum und der Astrophysiker befand sich auf einmal in der unangenehmen Lage, im Fokus des Kapitäns zu stehen. Vorsichtig erwiderte er den Blick und krallte sich an den Seiten des Stuhls fest.
»Brewster! Sie werden herausfinden, wo wir hier sind. ARAS kann Ihnen hoffentlich helfen. Im besten Fall können wir die Themba mit ersten Informationen versorgen und weitere Verwirrung vermeiden. Melden Sie sich, wenn Sie etwas herausgefunden haben. Die anderen bewahren Ruhe.«
Damit entließ er die Crew und marschierte von der Brücke, wobei ihn die Hoffnung, von der er gesprochen hatte, zu begleiten und an niemandem sonst haftenzubleiben schien.